Naturnahe, abwechslungsreiche Fütterung

Meine Einstellung zur Tierfütterung und mein Bestreben

Die in unserer Obhut befindlichen Tiere sollten – im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten – so artgerecht, naturnah und abwechslungsreich wie möglich gefüttert werden. Damit stellen wir ihnen genau das zur Ver-fügung, was sie für eine möglichst optimale Ausschöpfung ihres genetischen Potenzials, für ihre tägliche Leistungserbringung und für eine langfristige Gesunderhaltung benötigen.

 

 

Unser Fütterungskonzept

Der Grundgedanke

„Beobachte und arbeite im Einklang mit der Natur – so viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Dieser Leitsatz begleitet mich seit meiner Kindheit (siehe „Über mich“) auch in Bezug auf die Tierfütterung.

Die Optimierung der Fütterung und die Anpassung an die jeweilige Leistung entwickelte sich zu einer gewis-sen Leidenschaft – bei all unseren Tieren, so auch bei den Pferden. Gerade die Erfahrungen aus der Pferde-fütterung kamen mir später bei der Ziegenfutterberechnung zugute.

Zunächst mag es überraschen, Parallelen zwischen Ziege und Pferd zu ziehen, da die Ziege zu den Wieder-käuern gehört. Doch je intensiver ich mich mit ihren Ansprüchen beschäftigte, desto deutlicher wurde mir ihre Sonderstellung bei den Wiederkäuern und ich erkannte gewisse Ähnlichkeiten zur Pferdefütterung.

Das artspezifische, naturnahe Fressverhalten der Ziege ist dem des Pferdes näher wie man denken möchte. Dies war bei der Optimierung unserer Futterrationen eine wertvolle Orientierung. So entstand im Laufe der Zeit unser heutiges Fütterungssystem – eine Kombination aus Fachwissen, praktischer Erfahrung, kontinu-ierlicher Beobachtung und stetiger Weiterentwicklung.

 

Grundprinzipien der Ziegenfütterung – Rohfaser als Grundlage

Ein zentraler Grundsatz ist die ausreichende Versorgung mit strukturwirksamer Rohfaser. Sie bildet die Basis für eine stabile Pansenfunktion und damit für die gesamte Tiergesundheit.

Denn: Gefüttert wird nicht nur die Ziege selbst, sondern vor allem die Mikroorganismen im Pansen. Diese ermöglichen erst die Verwertung strukturreicher Pflanzenbestandteile.

Eine rohfaserreiche Fütterung fördert die Wiederkauaktivität, steigert die Speichelbildung, stabilisiert die Pansenfermentation, verbessert die Nährstoffverwertung.
Der Pansen lässt sich vereinfacht als „biologischer Fermenter“ verstehen – vergleichbar mit einer kleinen Biogasanlage.

Praxisregel: Rohfaser, Rohfaser und nochmals Rohfaser!

Nur ein stabiles Pansenmilieu schafft die Grundlage für gesunde, leistungsfähige und widerstandsfähige Tiere.

 

Die Kraftfutterbasis: Pansenstabilität durch Fermentation

Die Futterrationen bei den Ziegen und Böcken basieren auf einer festen Grundmischung aus:

  • Kräutermüsli
  • Ergänzungsfuttermitteln (z. B. Mariendistel, Bierhefe, Mineralstoffe, Kieselgur, Pflanzenkohle)
  • und je nach Bedarf mit Getreideanteilen

Anschließend wird die Ration mit Fermentgetreide und Effektiven Mikroorganismen angesetzt und über mehrere Stunden anfermentiert.

Durch diesen Fermentationsprozess kann die Verdauung unterstützt, das Darmmilieu stabilisiert sowie die Widerstandskraft gegenüber parasitären Belastungen gefördert werden.

 

Gezielter Einsatz von Getreide

Getreide wird bewusst und leistungsbezogen eingesetzt. – Ein Übermaß kann den Stoffwechsel belasten, Verdauungsprobleme verursachen sowie die Parasitenanfälligkeit erhöhen.

Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

 

Das Fütterungskonzept in der Praxis

Futterzeiten – in Ruhe fressen

Uns ist besonders wichtig, dass jedes Tier in Ruhe fressen kann. Deshalb werden die Ziegen und Böcke während der Kraftfuttergabe angebunden und bleiben so lange am Platz, bis alle fertig sind. Zusätzlich stehen mehr Heufressplätze wie Tiere zur Verfügung. So kann jedes Tier – unabhängig von Rang oder Dominanz – stressfrei genügend fressen.

 

Unser Kraftfutter

Das Kraftfutter mischen wir selbst. Wichtig ist uns: eine möglichst regionale Herkunft (zumindest aus Deutschland), gentechnikfreie Komponenten, hochwertige Rohstoffe und bewusster Verzicht auf Soja.
Die Zusammensetzungen werden an den jeweiligen Bedarf der Tiergruppen angepasst.

 

Fütterung nach Tiergruppen

Ziegendamen – im Einklang mit Lebens- und Leistungsrhythmus

Bei unseren Ziegendamen praktizieren wir eine leistungsangepasste 5-Phasenfütterung unter Berücksichtigung der Jahreszeiten.

Der Nährstoffbedarf verändert sich dabei je nach Lebensphase:

  1. vom Decken bis zur Trockenstehzeit
  2. Trockenstehzeit
  3. kurz vor der Geburt bis zur Laktationsspitze
  4. nach der Laktationsspitze bis zur vermehrten Grasaufnahme
  5. bei reichlich Gras bis zum nächsten Decken

Die Futterrationen am Morgen und Abend bauen auf der anfermentierten Kraftfutterbasis auf. Je nach Leistungsphase wird diese durch unterschiedliche Pellets ergänzt und entsprechend der Leistungsstufe zusätzlich auch als Zwischenmahlzeiten angeboten.

Die Tagesration wird in Abhängigkeit von der Leistungsstufe auf bis zu vier Portionen verteilt.

An den verschiedenen Lecksteinen und der Mineralbar (Ursonne Ziegen B / Seetang / Futterkalk + Bierhefe) können sich die Ziegen jederzeit selbstständig und bedarfsgerecht versorgen.

 

Ergänzende Prophylaxefütterung

Zur Unterstützung der Verdauung, zur Stabilisierung des Pansens sowie zur Förderung der allgemeinen Widerstandskraft erhalten unsere Ziegen und Böcke regelmäßig ergänzende Futtergaben in Form eines warmen Mashs. Dieses wird standardmäßig einmal wöchentlich (Sonntagabend) gefüttert.

Darüber hinaus wird das Mash gezielt in sensiblen Phasen als warme Abendmahlzeit eingesetzt, insbesondere nach Geburten über mehrere Tage hinweg zur Unterstützung der Regeneration und Energieversorgung, bei ungewohnt kalten Witterungsbedingungen sowie zu besonderen Anlässen.

Dem Mash werden gezielt Ergänzungsfuttermittel, Leinöl und eine extra Portion Vitamine beigemischt. Dadurch kann insbesondere der Energiehaushalt stabilisiert, die Verdauung entlastet und die allgemeine Konstitution der Tiere unterstützt werden.

 

Böcke – durch alle Jahreszeiten gut versorgt

Auch die Futterrationen unserer Böcke am Morgen und Abend bauen auf der anfermentierten Kraftfutterbasis auf. Je nach Bedarf wird diese durch Anteile der Getreidemischung ergänzt.

Die Grundration wird in Abhängigkeit von Jahreszeit und Leistungsbedarf durch unterschiedliche Pellets erweitert. Diese werden entweder zu den Hauptmahlzeiten oder zusätzlich als Zwischenmahlzeiten gefüttert. Die Tagesration wird entsprechend auf mehrere Portionen verteilt.

Verschiedene Lecksteine sowie eine Mineralbar mit Ursonne Ziegen B und Seetang ermöglichen den Böcken eine zusätzliche, bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen.

 

Kitze – ein guter Start ins Leben

Unsere Kitze erhalten während der Aufzucht neben der wertvollen Muttermilch ein abwechslungsreiches, getreidearmes Kraftfutter. Durch einen Lämmerschlupf in die Kitzbox steht das Kraftfutter jederzeit zur freien Verfügung. Die Jungtiere können sich ebenso an den verschiedenen Lecksteinen und der Mineralbar mit Ursonne Ziegen B, Seetang, Futterkalk + Bierhefe nach Bedarf bedienen.

Unser Ziel ist eine gesunde und stabile Entwicklung der Jungtiere zu fördern, die die Tiere langfristig leistungsfähig machen.

 

Basisversorgung für alle

Frisches Wasser, einwandfreies Heu und Stroh, verschiedene Lecksteine sowie Mineralfutter (Ursonne Ziegen B, Seetang, …) stehen allen Tieren jederzeit frei zur Verfügung. Je nach Jahreszeit ergänzen frische oder getrocknete Äste mit Laub sowie von Herbst bis Frühjahr auch Gemüse und Obst – wie zum Beispiel Futterrüben, Karotten, Äpfel oder Birnen – den Speiseplan.

 

Abschließender Grundsatz

Ziegen sind keine „Müllschlucker“.

Eine bedarfsgerechte Fütterung ist die Grundlage für jede Form von Leistung – ob Milch, Fleisch oder Zucht. Sie muss immer individuell an Tier, Leistungsstadium und Umwelt angepasst werden. Nur so ist eine nach-haltige, gesunde und langfristige Leistungsfähigkeit möglich.

 

Viel Rohfaser + naturnahes abwechslungsreiches Futter, mit Gräsern, Kräutern und nur wenig Getreide.